"Wir nehmen nur Bargeld": Bald nicht mehr erlaubt – In Restaurants oder Geschäften sollen Kunden im kommenden Jahr immer die Möglichkeit haben, digital zu bezahlen. So die Pläne des Bundesfinanzministeriums.
Also mal eben pauschal vorab: Ich will Kartenzahlungen nicht verteufeln. Haben wir hier schon sehr früh angeboten, ich weiß jedoch nicht mehr, seit wann genau und würde ich natürlich auch nie wieder abschaffen wollen. An manchen Tagen machen wir 80% (!) unseres Umsatzes bargeldlos. Aber da schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Bargeld ist Freiheit und Unabhängigkeit, die auch bei einem Stromausfall noch funktioniert. Bargeld ist auch Aufwand und ein Sicherheitsrisiko, sei es durch Falschgeld oder Überfälle. Bei uns geht es gar nicht ohne die bargeldlose Alternative, aber wenn es so wäre, müsste es einzig und allein die Entscheidung des Unternehmers sein, darüber zu urteilen.
Wenn es nach dem Bundesfinanzministerium geht, sollen Geschäfte künftig jedoch neben Bargeld auch eine digitale Bezahlmöglichkeit anbieten
müssen. Ich halte das für einen ziemlich heftigen Eingriff in die unternehmerische Freiheit.
Denn damit wird nicht einfach ein weitere Taste an der Kasse freigeschaltet oder man stellt sich ein weiteres kleines Gerät auf den Kassentisch. Ich muss einen Zahlungsdienstleister beauftragen, dessen Gebühren bezahlen und die nötige Technik samt Verbindung bereithalten. Auch dann, wenn ich für meinen Betrieb entschieden habe, ausschließlich Bargeld anzunehmen.
Natürlich ist Kartenzahlung für viele Kunden bequem. Aber seit wann folgt aus einem Kundenwunsch automatisch eine Pflicht für den Unternehmer? Wer vor dem Einkauf weiß, dass ein Laden nur Bargeld nimmt, kann Bargeld mitbringen oder woanders einkaufen. Diese Entscheidung dürfen beide Seiten treffen.
Als Begründung wird (wie so oft) auch der Kampf gegen Steuerhinterziehung genannt. Das finde ich besonders schräg: Eine Barzahlung ist doch nicht deshalb automatisch verdächtig, weil sie bar erfolgt. (Okay, für unsere Regierung schon, aber das ist eine andere Sache …) Dafür haben wir schon per Gesetz Kassensysteme mit digitaler Aufzeichnung und TSE, bei der Kassenbons mit einem eindeutigen, kryptografischen Signaturwert versehen werden. Ist das nicht schon der Kampf gegen Steuerhinterziehung?
Was soll eine zwangsweise angebotene digitale Bezahlmöglichkeit da ändern? Kann ich euch sagen:
Nichts!
Außerdem ist ja nur eine Pflicht geplant, digitale Zahlung
anzubieten, keine Pflicht für Kunden, sie zu
nutzen. Wer einen Umsatz bar an der Kasse vorbeischleusen wollte, könnte weiterhin Bargeld annehmen. Der zusätzliche Nutzen gegen Steuerhinterziehung wäre also allenfalls indirekt und hängt davon ab, wie oft Kunden die digitale Option tatsächlich wählen. Das ist galoppierender Dummfug, genau wie die einmal täglichen Preiserhöhungen an Tankstellen um 12 Uhr Mittags.
Ja, wer nur Bargeld akzeptiert, verliert womöglich Kunden. Das ist aber dann
mein unternehmerisches Risiko – und sollte nicht per Gesetz verboten werden.